Gesund in Hamm / Sommer 2021

Licht aus, denn zum Schlafen braucht es Dunkelheit. Doch statt in Ruhe versetzt das einige Kinder in helle Aufregung - sie fürchten sich im Dunkeln. Manchen Erwachsenen geht es ähnlich. Doch was steckt dahinter und was kann man tun? Zunächst einmal ist eine diffuse Angst im Dunkeln eigentlich völlig normal. Schließlich ist es verunsichernd, wenn man Dinge nur noch undeutlich oder gar nicht mehr sieht. „Insofern ist es ein erblich bedingter Reflex, dann mögli- cherweise Angst zu entwickeln“, sagt Psychiaterin Katharina Domschke. Die Professorin ist Ärztliche Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg. Das Problem ist: Nicht immer bleibt es bei einem vorübergehenden Gefühl der Unbehaglichkeit. Bei manch einem tritt eine übersteigerte Angst auf. Diese kann unterschiedliche Ursachen haben. Schlimme Erfahrungen In Extremfällen haben Betroffene schlim- me Erfahrungen im Dunkeln gemacht. „Zum Beispiel Missbrauch oder Gewalt“, sagt Prof. Stephan Bender, Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters am Universitäts- klinikum Köln. Manchmal hat die Angst vor Dunkelheit einen eher harmlosen Aus- löser. Etwa einen Film, in dem Horrorsze- nen im Düsteren gezeigt werden. Ein weiterer Erklärungsansatz: Kinder oder Erwachsene haben Angst vor Dunkelheit, weil es ihre Eltern auch haben. Kontrollverlust durch Schlaf In manchen Fällen geht die Angst so weit, dass Betroffene die ganze Nacht lang das Licht brennen lassen. „Dahinter kann die Angst vor dem Schlaf stecken, weil man im Schlaf die Kontrolle über das Ge- schehen um einen herum verliert“, sagt Stephan Bender. Oder das Licht bleibt brennen, weil Betroffene Angst vor bösen Träumen haben: Wer aus einem solchen Traum aufwacht, will sich schnell in der Realität zurechtfinden. Betroffene müssen sich mit einer über- steigerten Angst vor Dunkelheit nicht abfinden. Oft können sie sich selbst helfen. Beispielsweise mit auto- genem Training oder anderen Entspan- nungsübungen. Ein anderer Ansatz: „Man umarmt im wahrsten Sinne des Wortes die Dunkel- heit und versucht, sich mit ihr anzu- freunden“, sagt Kathrin Domschke. Wie das geht? „Man tritt bei Dunkelheit etwa auf den Balkon, sammelt sich und versucht, dem Düsteren etwas Positives abzugewinnen.“ Vielleicht, dass man als angenehm empfundene Geräusche wahrnimmt wie das Rauschen der Blätter. Oder man beobachtet die Sternenvielfalt am Nachthimmel und freut sich daran. In kleinen Schritten Stephan Bender rät aber: „Nichts überstürzen, sich langsam herantasten und sich Erfolge bewusst machen.“ Ein Beispiel dafür: Man öffnet die Tür zum Flur und schaltet dort das Licht an. Im ersten Stadium der Selbsthilfe ist die Tür weit auf, im zweiten ist sie halbgeöff- net, später nur angelehnt, irgendwann zu - man sieht das Licht nur noch unten durch den Türspalt. Bald darauf kommt der Zeitpunkt, an dem das Licht ganz ausbleibt. Wer möchte, kann sich die Erfolge in einem Tagebuch notieren, damit man sie bei Bedarf jederzeit nachlesen und sich ins Bewusstsein rufen kann, dass es geht: Die Dunkelheit aushalten. Eine wei- tere Option: Über Kopfhörer von Fachleu- ten konzipierte CDs zur Bewältigung von Ängsten hören - etwa vor dem Schlafen- gehen. Das entspannt. Manchmal stößt die Selbsttherapie aber an Grenzen. Bei einer ausgeprägten Angst vor Dunkelheit führt oftmals kein Weg an einer Thera- pie vorbei. „Das ist der Fall, wenn der Leidensdruck hoch und der Nachtschlaf derart schlecht ist, dass die Lebensquali- tät stark beeinträchtigt ist“, sagt Stephan Bender. Dann sollte man einen Psycholo- gen, eine Psychotherapeutin oder einen Psychiater konsultieren. | tmn Sport hilft gegen Bluthochdruck Wer fünfmal pro Woche mindestens 30 Minuten aktiv ist, kann seinen Blutdruck effektiv senken. Darauf weist die Deutsche Herzstiftung hin. In einigen Fällen kann nach einer Änderung des Lebensstils auf eine Medikamentengabe sogar verzichtet werden. Am Wirksamsten ist laut der Deutschen Herzstiftung regelmäßiger Ausdauersport wie Radfahren, Walken oder Joggen. Sport wirkt sich auch auf anderen Ebenen indirekt positiv auf den Blutdruck aus: Das Immunsystem wird gestärkt und Übergewicht vorge- beugt. Weiter sollten Betroffene auf einen reduzierten Salzkonsum achten und Alkohol nur in geringen Mengen trinken. Frauen nicht mehr als ein klei- nes Glas Bier (0,25 l) oder Wein (0,1 l) am Tag, Männer maximal zwei Gläser. Stress und zu wenig Schlaf wirken sich negativ aus, ebenso Rauchen. Von Bluthochdruck sprechen Mediziner bei Messwerten über 140/90 mmHg. Er gilt als einer der größten Risikofakto- ren für Schlaganfall und Herzinfarkt. Auch das Risiko, einen schweren Verlauf einer Covid-19-Infektion zu erleiden, ist erhöht. Ohrenschmalz oberflächlich entfernen Ohrenschmalz sollte man allenfalls oberflächlich entfernen. Ist dieser im vorderen Bereich der Ohrmuschel sichtbar, kommt vorsichtig ein Wat- testäbchen zum Einsatz. „Dabei aber keinesfalls sehr tief oder fest mit dem Stäbchen in den Gehörgang eindrin- gen“, sagt der HNO-Arzt Professor Thomas Klenzner vom Universitätskli- nikum Düsseldorf. Ansonsten besteht die Gefahr kleinster Verletzungen: Diese können zu Entzündungen im Gehörgang und am Trommelfell füh- ren. Schmalz in den Ohren ist etwas ganz Natürliches. „Eigentlich reinigen sich die Gehörgänge von selbst“, sagt Klenzner. Die Nacht umarmen Was gegen Angst im Dunkeln hilft F o t o : t m n Psychologie 2 Gesund in Hamm

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